Monthly Archives: April 2011

Sophie Kinsella oder: Der Dorn in meinem Auge

Ich nutze den Heimaturlaub in Österreich nicht nur dazu, Zeit mit all meinen alten Freunden und mit meiner Familie zu verbringen. Ich versuche auch, mich so gut es geht von den anstrengenden Arbeitstagen in Berlin zu erholen. Dazu gehört die Rundumversorgung im Hotel Mama ebenso wie der intellektuelle Leerlauf. Simone de Beauvoir musste dementsprechend in Berlin bleiben. Nachdem nun in der letzten Ausgabe der Vogue Paris (ihr erinnert euch: wir sprechen hier immerhin von der ersten Ausgabe, bei der Emmanuelle Alt am Steuer sitzt) ein Portrait über Sophie Kinsella zu finden war, habe ich nun meinen inneren Schweinehund überwunden und wollte der Autorin eine Chance geben – zu Recherchezwecken, versteht sich. Ich habe nämlich seit mehr als fünf Jahren eine jungfräuliche Kopie von Kinsellas Welterfolg „Die Schnäppchenjägerin“ im Regal stehen (ein Geschenk einer Bekannten, die mich wohl nicht so gut kennt, zum 18. Geburtstag…) und konnte mich nun endlich dazu bewegen, das Buch zu lesen. „Vielleicht“, dachte ich mir, „ist das Buch ja gar nicht soooo schlecht“. Falsch gedacht! Denn sämtliche Vorurteile, die ich gegenüber Sophie Kinsella (als Aushängeschild einer ganzen Armada von Schundromanautorinnen) hegte, wurden durch diese anspruchslose Lektüre mehr als bestätigt.

sophie kinsella

Sophie Kinsella und ihre "Schnäppchenjägerin"-Schundromane sind eine Beleidigung für alle halbwegs gebildeten Frauen

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Endlich Ferien! No more Beratersprech!

„Bitte Sales mit in den Loop nehmen. Ich will, dass wir da alle on the same page sind.“

Gestern bin ich beim ziellosen Surfen im Netz durch Zufall auf Beratersprech.de gelandet, wo man gehörig über den Slang, der in diversen Branchen gang und gäbe ist, ablästern kann. Zu meinem Entsetzen musste ich feststellen, dass ich sogar die meisten der Aussagen verstehe. Ich bemühe mich zwar so gut es geht, die deutsche Sprache zu verfechten und Anglizismen zu vermeiden, doch wenn man im Online-Marketing arbeitet, lässt sich dies oftmals nicht umgehen.
Daher bin ich umgehend zu folgendem Schluss gekommen: Ich brauche Urlaub! Pronto!
Zum Glück konnte ich gestern verfrüht (im Gegensatz zu Österreich ist der Karfreitag in Deutschland nämlich ein gesetzlicher Feiertag – Glück für mich!) in die Osterferien starten und bin schon gestern Morgen in die Heimat geflogen. Ich werde mich nun bis zum 1. Mai in Linz und Wien aufhalten und meine Zeit mit Freunden und Familie so intensiv wie möglich genießen. Da ich ich Berlin lebe sehe ich sie ja nicht soo oft. Das Wetter meint es gut mit mir und es macht daher gleich noch viel mehr Freude, meine Augen von der hässlichen Architektur nun im wunderschönen Österreich zu erholen.

Schließlich will ich sicherstellen, dass ich am 2. Mai auch wohlerholt ins Office zurückkehren kann, wo mich dann gleich einige Briefings zu den aktuellen Items erwarten, damit meine Performance trotz meiner Abwesenheit on top bleibt…

Aus diesem Grund wird es an dieser Stelle in den nächsten Tagen wohl ein bisschen ruhiger. Ich wünsche euch auf jeden Fall genauso schöne Feiertage, wie sie mir nun bevorstehen!

Alles Liebe,

Julia

Cakes etc.: Palmenhaus Wien

Morgen geht es für mich verfrüht ab in die Osterferien und ich werde der guten alten Heimat einen zehntägigen Besuch abstatten. Nach sieben Monaten hier in Berlin freue ich mich mittlerweile wirklich schon sehr auf diesen kleinen Tapetenwechsel. Denn so cool und hip und aufregend Berlin auch sein mag: Ich habe hier immer öfter das Gefühl, mich im Kreis zu bewegen. Die legendäre Coolness Berlins kann nämlich auch ganz schön anstrengend und auch monoton sein. Vor allem die zahlreichen Cafés, Bars und Kneipen machen es sich zeitweise ziemlich einfach: Bunt gemischte Vintagemöbel und ein paar Elektrobeats dazu – fertig. Kennst du einen, kennst du alle.

Selten habe ich mich daher so gefreut auf die nonchalante Gemütlichkeit/Grantigkeit der Wiener. Außerdem freue ich mich auch darauf, endlich mal wieder in einer schönen Stadt unterwegs zu sein. Denn bei allem Respekt: Kriegs- und DDR-bedingt kann das Stadtbild Berlins leider nicht wirklich punkten.
Doch noch mehr als die Wiener per se und die ganzen Prunkbauten vermisse ich aber meine vielen Lieblingscafés in Wien: Während meines mehrjährigen Aufenthalts in Wien ist die weltberühmte Kaffeehauskultur wirklich in mein Fleisch und Blut übergegangen. Ich freue mich vor allem auf ein – im Gegensatz zu Berlin – kontrastreiches Kaffehaushopping, bei dem natürlich auch ein Abstecher in meinem oh so geliebten Palmenhaus drin sein wird!

palmenhaus wien

Das Palmenhaus Wien gehört zum Pflichtprogramm © Wikimedia

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Robert Mapplethorpe im C/O Berlin – letzte Chance!

„Mir fällt oft auf, dass Leute aus kleineren Städten sehr neugierig sind, sehr hungrig. Wer in der Großstadt aufwächst, kann Theater, Kinos, Galerien besuchen: er hat alles schon vor der Nase. Als ich mit 19 nach Paris kam, habe ich mir jeden Winkel der Stadt angesehen. Ich habe mir Magazine gekauft, die ich noch nicht mal lesen konnte. Ich wollte lernen.“
- Tomas Maier, Süddeutsche Zeitung vom 16./17. April 2011 -

Ich bin in einem besonders unglamourösen Vorort der unglamourösen Industriestadt Linz aufgewachsen. Linz zeigt sich zwar seit einigen Jahren (vor allem seit Linz 09) von seiner besten Seite was das kulturelle Angebot betrifft, doch dies war gewiss nicht immer so. Ähnlich wie Tomas Maier habe ich dann pünktlich zur Volljährigkeit die Kleinstadt hinter mich gelassen und den Schritt nach Paris gewagt, wo ich mich für ein Jahr niederließ. Dort habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht wie der Kreativdirektor von Bottega Veneta: Ich saugte und sauge alles auf, was mir das Stadtleben zu bieten hat: Cafés, Ausstellungen, Konzerte, Flaniermeilen, pittoreske Gässchen und so weiter. Diese Faszination hält bis heute an, auch wenn ich nun nicht mehr in Paris, sondern – mit Umwegen über Wien – in Berlin lebe.

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Robert Mapplethrope im C/O Berlin - aber nur noch bis 1. Mai 2011!

Aus diesem Grund durfte ich mir auch die aktuelle Ausstellung des C/O Berlin, der ersten Adresse für Fotographie in Berlin, nicht entgehen lassen. Nach einer gelungenen Ausstellung über Peter Lindbergh gibt es dort nämlich jetzt eine Robert Mapplethorpe Retrospektive zu sehen. read more »

Österreichische Botschaft: Musikexport WOLFRAM

Wenn man in einem Land lebt, das nicht das eigene ist, ist man immer auch als Botschafter der eigenen Kultur unterwegs. Mal mehr, mal weniger freiwillig. So ging es mir während meiner Zeit in Paris und hier in Berlin geht es mir nicht anders. Als Österreicherin hat man es hierbei oft besonders schwer. Man kann von Glück reden, wenn man einen Gesprächspartner findet, dem Mozart, Falco und Schwarzenegger ein Begriff sind. Leider wissen viele Menschen nicht, dass Österreich kein Teil (mehr) von Deutschland ist und sich auch nicht auf der anderen Seite der Erde befindet („Hi, I’m Julia, I am from Austria.“ „Oh, that’s so cool. Are you from Sidney?“ „AUSTRIA, BITCH! No koalas, just mountains!“). Dann gibt es noch die anderen, die besonders informierten, vor denen man sich dann auch umgehend für Natascha Kampusch und Josef Fritzl rechtfertigen muss. Menschen aus anderen Kleinstaaten (man denke etwa an Schweden: Ikea, H&M, ABBA, Ace of Bace, freizügige Blondinen!) haben es da erheblich leichter.


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Women on top – Vorbild Anna Wintour

„This dragon-lady-reputation that is often portrayed is some kind of gender issue here. Because she’s a woman, people expect her to behave in a certain way and I think if she were a CEO running a company, there would be no issue.”
-Tom Florio-

Diese wahren Worte sprach Tom Florio, der ehemalige Publishing Director der US Vogue, aus, als er sich kürzlich an einer Doku des Bloomberg Channel über Anna Wintour, der Chefredakteurin des Magazins beteiligte. Das Video habe ich euch an anderer Stelle bereits vorgestellt, als ich mir über den nicht-so-drastischen Amtsantritt von Emmanuelle Alt Gedanken gemacht habe. Dennoch lassen mich diese Worte von Tom Florio nicht los.

anna wintour vorbild

Anna Wintour: Icequeen oder Idol?

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Isabella Blow & Lady Gaga: Das doppelte Lottchen

“The fashion community in general got me much earlier than everyone else,” she says. “But actually, I felt truly embraced by this London cultural movement, that McQueen, Isabella, Daphne Guinness wing of the English crowd. I remember when I first started doing photo shoots, people would say, ‘My God, you look so much like Isabella Blow, it scares me.’ And McQueen used to say, ‘Oh, my God, your boobs!’ He actually grabbed both of them and said, ‘Even your boobs are like hers!’”
– Lady Gaga. US Vogue, März 2010. -

Ich liebe Isabella Blow, deren Biographie ich euch schon einmal ans Herz gelegt habe. Und ihr liebt sie anscheinend auch, wie ich an den Besucherzahlen immer wieder feststellen kann. Generell kann ich nicht oft genug betonen, dass ich eine starke Bewunderung hege für exzentrische Frauen, die ihr eigenes Ding durchziehen und sich nicht um Konventionen kümmern. Vivienne Westwood und Diana Vreeland sind zum Beispiel solche Kandidatinnen.
Ein etwas jüngeres, aber nicht minder exzentrisches Exemplar ist Lady Gaga. Ihre Musik ist Pop vom feinsten und das ist Geschmackssache, worüber man bekanntlich nicht streiten soll. Doch in Sachen Kleidung legt sie eine Performance hin, wie sie die Welt des Pop seit der frühen Madonna nicht mehr gesehen hat. Ihr Motto: Je auffälliger, desto besser. Dass dahinter nicht (nur) der Drang nach Aufmerksamkeit steckt, sondern eine intelligente Künstlerin, die mit ihrer Selbstinszenierung alle Tabus bricht und sich dabei an Größen wie Andy Warhol anlehnt, wird klar, wenn man ein Interview mit der jungen Dame liest. Ein bisschen erinnert sie mich an Marilyn Manson, dessen Kreativität und Intellekt oftmals im Schatten seiner düsteren Outfits stehen.

lady gaga isabella blow

Isabella Blow und Lady gaga mit Kopfbekleidung aus Spitze - kaum zu unterscheiden!

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Kaffeekränzchen in der Milchhalle

Welch herrlicher Samstag-Nachmittag! Nachdem mein ursprünglicher Plan, ein Picknick im Park zu veranstalten, aus wettertechnischen Gründen ausgefallen ist (die Sonne scheint zwar, aber aufgrund des nervigen Windes ist es doch ganz schön kühl in Berlin), musste ein Plan B her. Zunächst bin ich daher ins C/O Berlin eingekehrt, wo nach einer super Ausstellung über Peter Lindbergh nun Robert Mappelthorpe bis zum 1. Mai lockt. Wer sich für Photographie interessiert und kein Problem damit hat, den einen oder anderen nackten Penis zu bewundern, dem sei diese Ausstellung dringend ans Herz gelegt. Auch Musikfans kommen auf ihre Kosten: Mappelthorpe war nämlich ein jahrelanger Wegbegleiter von Patti Smith, die sogar ein Buch über diese Freundschaft geschrieben hat.
Danach ging es weiter zu Buffalo, wo ich mich mit zwei Paar Schuhen belohnte (für was? Ach, egal – Schuhe kann man immer gebrauchen). Danach musste unbedingt eine Stärkung her. Die Gegend rund um den Hackeschen Markt ist da ja Gott sei Dank prädestiniert dafür: Ein Café reiht sich an das nächste. Wem das ganze Touri-Gewimmel ein bisschen zu viel wird, der ist gut damit beraten, sich in der Auguststraße vom Großstadtgetöse zu erholen. Dort warten nämlich nicht nur zahlreiche kleine Galerien und Boutiquen sowie der legendäre Zeitschriftenladen „Do you read me?“, sondern auch zahlreiche nette Cafés, bei denen man den Frühling auf der Terrasse genießen kann.

milchhalle berlin

Die Milchhalle in Berlin: Überschaubar, dafür erfrischend unprätentios © Milchhalle

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Redhead Icons: Vivienne Westwood – Happy Birthday

„You have to go faster than the system”
- Vivienne Westwood -

Vivienne Westwood ist eine wahre „Grande Dame”, für die ich seit Jahren eine große Faszination und Bewunderung hege. Morgen feiert sie ihren 70. Geburtstag. Zeit für ein paar bewundernde Worte.

vivienne westwood

Happy 70th Birthday, Vivienne Westwood!

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Emmanuelle Alt: Révolution française bei der VOGUE Paris? Eher nicht!

Mit einiger Verzögerung habe ich es nun doch endlich geschafft, meine Hände an die aktuelle Ausgabe der Vogue Paris zu bekommen. Wir erinnern uns: Es ist die erste Ausgabe unter der Leitung der ehemaligen Modechefin Emmanuelle Alt, nachdem Carine Roitfeld im Dezember überraschend ihren Rücktritt bekannt gab. Wie ich bereits in einem früheren Post angesprochen habe, meinte Alt, keine großartigen Änderungen bei der erfolgreichen Zeitschrift durchführen zu wollen. Zu Recht, wie ich finde: Die Vogue Paris ist gut, so wie sie ist und man muss Veränderungen nicht immer um jeden Preis erzwingen.

emmanuelle alt vogue revolution

Emmanuelle Alts erste Vogue ist wahrlich keine Revolution in der Magazinlandschaft © Condé Nast

Dennoch fiel mein erster Eindruck auch unerwartet nüchtern aus: Tatsächlich hat sich auf den ersten Blick kaum etwas verändert. Dies war eine kleine Enttäuschung für mich, denn schließlich hatte Alt trotz allem versprochen, einen größeren Fokus auf kulturelle Themen zu legen und die Zeitschrift mehr textlastig zu gestalten. Beim genaueren Betrachten stechen dem langjährigen Vogue-Leser dann aber doch einige Neuerungen ins Auge. Ob diese alle so begrüßenswert sind, darüber bin ich mir noch nicht sicher. read more »